Identität

Wer bin ich? – Die Frage nach der Identität.

Das Motto des „Carnival of Aces“ für den Januar lautete „Identity“ – „Identität“. Der Beitrag der gastgebenden Blue Ice-Tea von Ace Film Reviews dazu setzt sich sehr ausführlich und kritisch mit dem Konzept von Identität auseinander.

Was bestimmt, wer wir sind?

Was macht uns aus?

Was macht uns einzigartig?

Geschlecht, Alter, Hautfarbe, Größe, Sprache, sichtbare Behinderungen, etc. mögen Faktoren sein, die bestimmen, wie andere auf mich reagieren. Aber machen sie mich wirklich aus? Ist meine Identität wirklich dadurch bestimmt, wie andere mich wahrnehmen? Kann ich mich denn wirklich mit etwas identifizieren, das nicht von mir selbstbestimmt ist, sondern auf Zufällen oder Zuweisungen von außen (1) beruht?

Diesbezüglich halte die folgenden Gedanken auf Prismatic Entanglements für erwähnenswert:

But it’s also more complex than that. An identity could be something that you’ve been raised with, based on a social group or category that you belong to (or are presumed to belong to). It may be something that you’ve never even given any conscious thought to. Does it still count as an identity if it’s something you’ve been trained to see yourself as “by default”? I think it can count but it might not. You could make a case either way. It might be an individual thing—it might count as an identity for one person but not for another.

Die persönliche Erkenntnis, die Blue Ice-Tea mit uns teilt, löst diese Fragen auf simple wie berührende Weise auf:

Four years ago, I wrote a letter to a friend in which I tried to explain what our friendship meant to me. It was not, I told him, a hobby, something I’d picked up because it was amusing and would drop again when I got bored with it. It was not a role, something I played at some times and shed at others. It was not a job, something I did because it was useful and expected to be rewarded for.
That’s right: it was an identity.
Being his friend wasn’t just an act, an alliance, or an experience. It was an integral part of my being. And I could no more easily give it up than I could give up a limb, an organ, or one of my five senses.
[…]
There are plenty of labels that describe my characteristics, circumstances, experiences, and actions. But if you ask me to locate myself, I would say you can’t find it in any of them. Instead, my identity is found in the bonds I form with other people – the kind of bonds that turn a house into a home, friends into family, and a temperamental child into someone you would give your life for.

Blue Ice-Tea wählt daraufhin den Vergleich mit dem Patronus von Severus Snape, der im finalen siebten Band der Harry Potter-Reihe offenbart wird. Um den Patronus zu erschaffen, bedarf es einer starken Erinnerung, aus der Kraft geschöpft werden kann – je stärker die Erinnerung, desto stärker der Patronus. Ein Patronus repräsentiert die eigene Kraft, Hoffnung, Liebe – einen wesentlichen Teil der eigenen Identität. Und für Snape gibt es keine stärkere Erinnerung als die an den einzigen Menschen, den er je geliebt hat.

Auch, wenn manche unsere Identität immer noch reduzieren wollen auf Dinge, die wir uns nicht aussuchen konnten (Aussehen, Ethnie, Geschlecht, sexuelle Orientierung) oder Überzeugungen (Weltanschauung, politische Gesinnung, Religion): Was uns wirklich ausmacht, sind unsere Beziehungen und wie wir sie leben.

Mit diesen Gedanken entlasse ich euch ins Wochenende.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Nixblix.

♠♠♠♠♠♠

(1) Eins denke an den fundamentalen Attributionsfehler, auf den die geschätzte Kollegin DeWinter in Teil 2 ihres nachdenk-würdigen Dreiteilers verwies.

Anmerkung: Sehr anschaulich finde ich auch die Beschreibung von „platoniromantisch„:

“Platoniromantic” means I don’t experience romance as something distinct from friendship (or, conversely, that I do experience romance as a part of friendship).

Das entspricht haargenau meinem Empfinden. Für mich verschwimmen die Grenzen zwischen einer Freundschaft und einer romantisch empfundenen Beziehung und ich muss mich permanent daran erinnern, dass Freundschaft für andere einen anderen Stellenwert hat als für mich. Elfquest war für mich in dieser Hinsicht eine Offenbarung. 😉

Schnitter und seine Freund*innen und Gefährt*innen. Zeichnung und Text (c) Wendy und Richard Pini.

 

 

 

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4 Gedanken zu „Wer bin ich? – Die Frage nach der Identität.“

    1. Thanks for reading 🙂
      Friendship and romance seem to blend together for some characters – those five in the picture for example. Friendship is a very strong topic in the series, as well as other kinds of personal bonds, responsibility, tolerance and the different ways of working through change of circumstances. I can strongly recommend it.

      Gefällt 1 Person

  1. Weise Worte. Ich zähle tatsächlich noch Dinge zu meiner Identität, die beschreiben, wie ich auf die Welt reagiere und mit ihr interagiere. Und somit gehört mein Fansein durchaus zu meiner Identittä, wobei das spezielle Fandom durchaus dem Wandel unterworfen sein kann. Und A_sexualität ist Teil davon, weil ich in der entsprechenden Community vernetzt bin.

    Gefällt 1 Person

    1. Meiner Ansicht nach gehören auch unsere Einstellungen zu bestimmten Dingen durchaus zu unserer Identität, wenn sie uns unser Leben lang (nahezu) unverändert begleiten. Meinen Gerechtigkeitssinn zum Beispiel würde ich als unverrückbaren Teil von mir sehen. Daran hat sich nichts geändert. Eigenschaften wie diese wirken sich ja auch wieder auf die Art aus, wie ich meine Beziehungen pflege. Ebenso die Art, wie wir unsere Interessen ausleben oder unsere Ansichten vertreten.

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