Sexualisierte Gewalt

Findet die Kraft in euch selbst.

Frisch von einer Wohltätigkeitsveranstaltung im heimeligen und für Kraftfahrzeugführende nervenzerreißenden Illingen zurückgekehrt (1) möchte ich euch in aller gebotenen Kürze die Publikation „The courage to be me“ von Nina Burrowes ans Herz legen.

Dieses Buch über das Leben nach dem Überleben sexualisierter Gewalt kann sowohl als ebook- und Print-Fassung erworben als auch kostenfrei gelesen werden. Damit möchte Nina Burrowes diejenigen erreichen, die jede Münze mehrmals umdrehen müssen, und denkt gleichzeitig an diejenigen, die Fragen bezüglich des persönlichen Zusammenhanges mit diesem Thema fürchten, sollten sie beim Kauf des Buches oder im Besitz desselben gesehen werden (2), aber auch an diejenigen, die sich aus ihrem missbräuchlichen Umfeld noch nicht haben befreien können.

In diesem Zusammenhang möchte ich des Weiteren auf die drei F verweisen, mit denen unser Gehirn in Gefahrensituationen unser Überleben zu garantieren versucht. Fight (Kampf) und Flight (Flucht) sind Handlungen und hinterlassen nur selten einen derart bitteren Nachgeschmack, keinen solchen Komplex an Selbstvorwürfen wie Freeze (Erstarren / Totstellen). Ich gehe so weit zu vermuten, dass keine Reaktion häufiger ist als das Erstarren, wenn eins mit sexualisierter Gewalt konfrontiert ist – vor allem, wenn sie von einer bekannten und vertrauten Person ausgeht und nicht von einer wildfremden, und vor allem in Situationen, in denen eins nicht darauf vorbereitet ist und sich sicher fühlt. Vor diesem Hintergrund erscheint es umso mehr wie blanker Hohn, dass es bis 2016 dauern musste und erst Fremde die Täter sein mussten (3), ehe Handlungsbedarf gesehen und das Sexualstrafrecht zumindest ansatzweise an die Realität angepasst wurde – als würde es nicht bereits seit Jahrzehnten gefordert.

 

Bis zum nächsten Mal,

Euer Nixblix.

 

♠♠♠

 

(1) In deren Verlauf euer wertes Nixblix immerhin 46 € (und ein paar Cent) an Spenden mit römischen Wurfspielen eingespielt hat 😉 Danke an dieser Stelle allen Kindern und ihren Familien, die fleißig Walnüssen und Rosskastanien das Fliegen beizubringen versuchten – und in einem Fall eine von dem etwa einjährigen Windelträger vollkommen ungerührt ertragene und von seiner Schirmmütze abgefederte Kopfnuss warfen – und auch an meine Mitlagernden, die den Betrag aus eigenem Geldbeutel auf 50 € aufrundeten. Ich bin gerne wieder dabei, wenn der GMAMZI im Jahre 2020 erneut eröffnet wird!

(2) Tatsächlich muss hierzulande niemand erst Opfer sexualisierter Gewalt geworden sein, um bereits eine erste Ahnung von den Stigmatisierungen zu haben, die jenen entgegengebracht werden, die sich als solche zu erkennen geben.

(3) Bezeichnenderweise wäre wahrscheinlich wenig passiert, wäre das, was in jener Silvesternacht 2015/2016 in Köln und anderen Städten geschah, auf der Wiesn geschehen – und wären die Täter vorrangig als Angehörige der eigenen ethnischen Gruppe identifiziert worden. Sicher sind die Zahlen nicht vergleichbar, die Taten dagegen sehr wohl. Ich möchte hiermit jenen, welche die Meinung vertreten, (weiße/deutsche) Frauen könnten nicht mehr gefahrlos nachts auf die Straße gehen, seit so viel mehr Menschen aus muslimischen Ländern nach Deutschland gekommen sind, einige Argumente entgegenhalten:

a) Hier wird auf eine weit verbreitete, männerverachtende Aussage einer bestimmten Richtung des Feminismus zurückgegriffen – wobei lediglich die Gruppen der potentiellen Täter (ehemals alle Männer) und der potentiellen Opfer (ehemals alle Frauen) stärker reduziert werden. Interessant, wie eine simple Reduktion auf eine Ethnie, Religionszugehörigkeit oder Kultur dazu führt, dass diese Art, Ängste zu schüren und Gruppen gegeneinander aufzubringen, plötzlich von manchen nicht mehr als vollkommen realitätsfremd, paranoid und hetzerisch erkannt wird.

b) Das Risiko, Opfer sexualisierter Gewalt zu werden, ist innerhalb eines vermeintlich sicheren Raumes (eigene Wohnung oder Wohnung von Freund*innen und Familie) und durch vertraute Personen weit höher als auf offener Straße. Dass Überfälle durch Unbekannte eher angezeigt werden als solche durch vertraute Personen, liegt zum einen darin begründet, dass Unbekannten gegenüber weniger Hemmungen bestehen, und zum anderen darin, dass wir zwar beständig mental darauf vorbereitet werden, Überfälle durch uns fremde Personen als potentielle Gefahr zu erkennen, nicht aber darauf, Übergriffigkeit durch di*en eigene*n Partner*in oder Familienmitglieder als Unrecht zu betrachten. Gleichzeitig wird leider noch zu häufig dasselbe Verhalten, das, von einer außenstehenden Person an den Tag gelegt, geächtet wird, innerhalb der eigenen Gruppe gerne als „normal“ betrachtet.

c) Ich bewege mich Tag für Tag inmitten eines multikulturellen, -ethnischen und -nationalen Gemischs, stehe an Bahnhöfen und nutze den ÖPNV – und weder erlebe ich selbst Anmachen oder Nötigung noch werde ich Zeugin dessen anderen Frauen gegenüber.

d) Sexualisiert, verbal und tätlich genötigt und gedemütigt wurde ich ausschließlich von Menschen, die ich vorher kannte, von Angehörigen meiner eigenen Gruppe, von Menschen, die in derselben Gegend wie ich sozialisiert wurden, teilweise sogar von Angehörigen meiner eigenen Familie. Auf einen im Vorbeigehen während einer Familienfeier erteilten derben „Klaps“ auf meinen Hintern durch meinen Patenonkel folgte seitens meiner Verwandtschaft – wie nicht anders erwartet – aktives Wegsehen.

e) Und zuletzt: Es macht verdammt noch mal keinen Unterschied, wer einem Gewalt antut!

2 Gedanken zu „Findet die Kraft in euch selbst.“

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