Asexualität

Für das Zwischendurch VII

Festgehaltene Gedanken zu der Frage, warum eigentlich von einer „Pride“-Bewegung die Rede ist.

Ich persönlich vertrete die Ansicht, nicht stolz auf etwas sein zu können, worauf ich keinerlei Einfluss habe. Dazu zählen neben biologischen und genetischen Vorgaben (Haut-, Haar- und Augenfarbe, biologisches Geschlecht, Körpergröße, Statur, sexuelle Orientierung) auch solche Dinge wie Nationalität bei der Geburt oder die Sprache, mit der eins aufwächst. Ich kann nicht stolz darauf sein, Deutsche oder Saarländerin zu sein, weil meine Geburt innerhalb der BRD nicht auf meinen Entscheidungen beruht. Ich kann nicht stolz darauf sein, biologisch eine Frau zu sein, weil ich zu einer herangewachsen bin, ohne etwas dafür tun zu müssen.

Getreu dieser Logik macht der „Pride“-Gedanke folglich im Grunde keinen Sinn.

Korrekt.

Getreu dieser Logik wäre ein wowereit´sches „Und das ist gut so.“ vollkommen ausreichend.

Ist es eigentlich auch.

Und gleichzeitig wiederum nicht.

„Pride“ ist mächtiger.

Selbstbemächtigend.

„Pride“ erfüllt Herzen mit Kraft, die sie brauchen, um die Blicke zu heben, die viel zu lange in Scham gesenkt waren.

„Pride“ erfüllt Herzen mit Leidenschaft, die notwendig wird, um gegen das beständige „Schämt euch! Schämt euch! Schämt euch!“ zu bestehen.

Wer als anders, als nicht „normgerecht“ betrachtet wird, hat sich der Auffassung noch viel zu vieler Menschen nach zu schämen, gilt noch viel zu oft als „schlecht„, als „pervers„, als „abartig„, als „krank„, als „lebensunwürdig„, als „minderwertig„. Da genügt nicht immer ein „Es ist gut so.„, ein „Ich bin ok so, wie ich bin.

Da braucht es „Pride“.

„Pride“ bedeutet nicht „Ich bin besser als ihr.

Entgegen der irrsinnigen Annahme so vieler, die Angst und Hass verbreiten – und eigentlich mehr über ihre eigene Neigung zur Unmenschlichkeit offenbaren.

„Pride“ bedeutet

Ich verstecke mich nicht, bloß, weil ihr den Anblick und Umstand meines Andersseins nicht ertragt!

Ich bin wertvoll und ich bin Mensch wie ihr!

Ich schäme mich nicht dafür, wie ich bin, nur, weil ihr der Meinung seid, ich sollte es tun!

Ich kann nicht stolz auf meine Asexualität sein. Denn ich habe mir nicht ausgesucht, asexuell zu empfinden.

Aber ich kann stolz darauf sein, dass ich mich nicht der Fremdbestimmung ergeben, sondern mir meine sexuelle Selbstbestimmung erstritten habe. Ich kann stolz darauf sein, dass ich mir meine Sexualität entgegen aller Konditionierung zurückerobert habe. Ich kann stolz darauf sein, dass ich mich gegen Pathologisierung durch mich selbst und durch andere zur Wehr gesetzt habe und weiter zur Wehr setze. Ich kann stolz darauf sein, dass ich zu dem stehe, was ich bin.

Das ist „Pride“.

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4 Gedanken zu „Für das Zwischendurch VII“

  1. Jupp. Genau das. Ich bin stolz, weil ich Mut gezeigt habe und immer noch zeige. Stolz auf das, was die Buchstabensuppen-Minderheiten mit mir als kleines Teilstück in den letzten Jahren erstritten haben. Ich kann nur stolz sein auf eine eigene Leistung, und der Zufall meiner Geburt ist absolut keine eigene Leistung, genauso wenig wie die Leistungen meiner zufällig in Deutschland geborenen Vorfahren etwas sind, auf das ich das Recht habe, stolz zu sein.

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    1. Oder die Leistungen meiner Tochter, zu denen mein Mann und ich zwar in gewisser Weise beitragen, indem wir ihr die Möglichkeit zur freien Entfaltung und freien Wahl geben, die aber dennoch nicht unsere, sondern ihre Leistungen sind. Dennoch sage ich ihr, dass ich stolz auf sie bin, weil ich um die aufbauende Wirkung weiß.

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