Poetische Aufarbeitung

Hass darf nicht stärker sein.

 

Stärker nicht als Liebe

zu sich selbst.

 

Heiß brenne Hass, sagen sie.

Die nie seinen kalten Griff erfahren haben.

Heiß brennt Wut, doch Hass

lässt deine Seele erfrieren.

 

So kalt sein Griff

um deine Kehle,

wenn er dir die Luft zum Atmen nimmt.

Dein Blut gefriert in deinen Adern,

wenn er dich bei den Füßen packt

und dich zu Boden wirft

in den Staub,

wo du hingehörst.

 

Hass gewinnt an Macht,

gewährt von Angst und Zweifel.

Die Angst stützt ihn.

Die Angst nährt ihn.

Die Angst macht ihn stark.

Der Zweifel öffnet ihm die Tür.

 

Warm dagegen ist Glück.

Kraft- und segenspendend.

Es fügt ihm Schaden.

Verdrängt ihn.

Macht ihn schwach.

Glück ist eine Erinnerung an Gelb.

An unvergessliche Momente.

An eine Geburt.

 

Fürchte nicht den Hass, denn damit verleihst du ihm Macht.

Macht, die er zu verlieren droht,

durch dein Glück.

Dein Glück ist etwas,

das nicht sein darf.

Das du nicht verdienst.

Das er dir nicht erlaubt.

Wenn er überleben will.

 

Glück musst du dir verdienen,

spricht schneidend seine Stimme zu dir.

Doch jemand wie du

hat es nicht verdient.

 

Zum Beweis zieht er sich von Zeit zu Zeit zurück.

Gewährt dir Phasen des Glücks,

der Zufriedenheit.

Wartet.

Kehrt zurück.

Seine Macht drückt dich nieder.

Angst und Zweifel stets an seiner Seite.

 

Du beschließt zu kämpfen,

zunächst mit Wut,

die heiß in dir brennt.

Doch Wut ist eine Waffe,

die Hass für sich nutzt im falschen Moment.

 

Erinnertes Glück

spendet Wärme und Kraft.

Wie sanfte Hände

schenkt es Trost und Halt.

 

Doch deine Kraft ist versiegt,

deine Angst zu groß.

Du sonnst dich im Gelb,

doch es wärmt dich nicht.

Grinsend erhebt sich vom Stuhl am Ende des Bettes

die Kälte und greift nach dir.

Du fliehst vom Gelb zur Geburt.

Erlebst diesen unwiederbringlichen, diesen einmaligen Moment.

Doch niemand ist da

außer eisigem Hass.

Angst greift schneidend um sich,

taucht wabernd den Raum in Schrecken

aus Schwarz und Grau.

Hass greift nach dem Bündel, das du soeben geboren,

hebt es an den Füßen mit Grinsen empor.

Nichts kannst du tun als zusehen,

wie sein Gift deine Zuflucht verseucht.

Dieser Moment, so unwiederbringlich.

Zerstört.

Verpestet mit Todesgestank.

Die Botschaft ist deutlich:

Füg dich.

Bleib am Boden.

Oder ich mach es wahr.

 

Keine Zuflucht ist mehr sicher.

Du wagst es nicht, solange

der Hass um die Ecke späht.

Deine Kraft geht zur Neige, während

seine Macht wächst.

 

Gib dem Hass keine Macht.

Lerne, mit ihm zu leben.

Lenke ihn in Bahnen,

sonst schadest du

nicht allein dir.

 

Lerne, mit ihm zu leben.

Doch wie?

 

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2 Gedanken zu „Hass darf nicht stärker sein.“

  1. Ui. Hass, nach innen gerichtet. All die verinnerlichten Zurichtungen von außen, die am Selbst nagen. (Falls du eine Umarmung brauchst, kann ich dir eine virtuelle anbieten.)

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