Rezension

Literarische Halbjahresrückschau, die Zweite

Die Fortsetzung der an dieser Stelle begonnenen literarischen Rückschau möchte ich dieses Mal mit einem Zitat einleiten:

„Ich bin gekommen, weil ich dich um Verzeihung bitten wollte“, brach der Par´chin schließlich das Schweigen. „Ich habe kein Recht, eure Sitten und Gebräuche zu verurteilen.“
Jardir nickte. „Und mir steht es nicht zu, die Traditionen deines Volkes abzuwerten. Du hast aus Loyalität gehandelt, und es war falsch von mir, darauf zu spucken. Ich weiß, dass du dich eng an die Bannzeichner angeschlossen hast, seit du unsere Sprache beherrschst. Sie haben viel von dir gelernt.“
„Und ich von ihnen“, gab der Par´chin zu. „Ich wollte niemanden beleidigen.“
„Es hat den Anschein, als stellten unsere Kulturen von Natur aus eine Schmähung der jeweils anderen dar, Par´chin“, sinnierte Jardir. „Wenn wir weiterhin voneinander lernen wollen, müssen wir dem Drang widerstehen, alles, was uns fremd oder absonderlich vorkommt, als eine Kränkung oder Anfeindung aufzufassen.“
(Peter V. Brett, Das Flüstern der Nacht (Heyne 2010), S. 268-269.)

Fantasy:

Fabienne Siegmund, Goldstaub (Ulrich Burger Verlag 2013) 171 Seiten. ISBN 978-3-943378-09-2. Eine tiefbewegende Liebesgeschichte und eine Geschichte über die Befreiung der eigenen Seele, in die ich während zweier Zugfahrten eintauchte.

Peter V. Brett, Das Lied der Dunkelheit (Heyne 2009) 795 Seiten. ISBN 978-3-453-52476-7. Die vor mir ausgebreitete Welt zog mich von Anfang an in ihren Bann. So sehr, dass ich trotz manch bitteren Beigeschmacks ob des teilweise recht negativen Männerbildes (ein Beispiel dafür, dass auch wir von der schreibenden Zunft noch so manches Klischee verinnerlicht haben und uns unserer Macht nicht vollumfänglich bewusst sind) beschlossen habe, mir die restlichen Bände auch noch zuzulegen. Die Vorstellung unterschiedlicher Gesellschaftsmodelle, Kulturen und Sichtweisen verdeutlicht bereits, dass nichts so selbstverständlich, „natürlich“ oder „normal“ ist wie wir es manchmal gerne glauben würden. Noch deutlicher macht dies die beständig drohende Ausrottung der Menschheit durch die nachts umherwandernden Horclinge, denn, wäre die Menschheit nicht darauf angewiesen sich zu vermehren, um zu überleben, bräuchte es dann wirklich ein starres heteronormatives und Geschlechterrollen zementierendes System?

Peter V. Brett, Das Flüstern der Nacht (Heyne 2010) 1006 Seiten. ISBN 978-3-453-52611-2. Der zweite Band des Dämonenzyklus. Erstmals wird die Geschichte auch aus krasianischer Perspektive erzählt, was einen besseren Einblick in die komplizierte und vielschichtige Kultur Krasias ermöglicht. Was den Stellenwert von Ehre und Gehorsam angeht, fühlte ich mich offen gestanden eher an Japan denn an vom Islam geprägte Kulturen erinnert, dennoch ist die Kritik am Weltenbau des Autors nicht ganz unberechtigt. Einer meiner größten Kritikpunkte, die ersten Kapitel aus der Sicht von Renna, wirkten anfangs noch wie Lückenfüller, erwiesen sich allerdings im späteren Verlauf als geschickt in das Gesamtbild eingefädelt.

Peter V. Brett, Das Erbe des Kuriers (Heyne 2015) 164 Seiten. ISBN 978-3-453-31682-9. Dieser Kurzroman aus der Welt von „Das Lied der Dunkelheit“ entstand als Erweiterung eines Kapitels, das ursprünglich den dritten Band des Dämonenzyklus, „Die Flammen der Dämmerung“, hätte einleiten sollen. Wir begegnen einem etwas in die Jahre gekommenen und von einem Wohlstandsbäuchlein etwas behinderten Ragen und lernen mehr über die Geschichte von Dorn Damaj.

Peter V. Brett, Selias Geheimnis (Heyne 2018) 203 Seiten. ISBN 978-3-453-31970-7. Dieser dritte Ableger des Dämonenzyklus entführt uns in die Jugendzeit von Selia der Unfruchtbaren und offenbart uns die Geschichte, die hinter dem Beinamen der resoluten Sprecherin von Tibbets Bach steckt. Erstmals wird deutlich, wie weit verbreitet Homosexualität in Bretts Welt doch ist – und warum es gerade Frauen es mit dieser Orientierung so schwer dort haben.

James Clemens, Das Buch der Rache (Heyne 2003) 702 Seiten. ISBN 978-3-453-87342-1. Nach „Das Buch des Feuers“ und „Das Buch des Sturms“ der dritte von fünf Bänden. Elenas Geschichte und die Alaseas gehen weiter. Legion ist der Hexe dicht auf den Fersen. Die Zeichen stehen auf Krieg. Vertrauen ist ein kostbares Gut und Misstrauen schnell gesät, wenn die Ziele nicht zwangsläufig dieselben sind. Das Schicksal einer der bedauernswertesten Gestalten dieser Reihe wird endgültig besiegelt und wiederum verschwimmen die Grenzen zwischen „Gut“ und „Böse“. Dieses Mal dauerte es ein wenig länger, bis der Lesefluss sich einstellte, was teilweise dem Umstand geschuldet ist, dass ich in die eher konstruiert wirkende Welt nicht wirklich eintauchen kann. Kein Vergleich zum greifbaren, pulsierenden Leben bei den Werken von Peter V. Brett oder George R. R. Martin. Zudem drängt sich mir der Verdacht auf, dass der Autor bemüht war, mit jedem neuen Band den vorigen noch an Demonstration magischer Macht und dunklen Schreckens zu übertreffen.

 

Anthologien:

Hartmut W. H. Köhler (Hrsg.), Das Haus am Zeilenweise-Platz (Pressel 2011) 140 Seiten. ISBN 978-3-937950-98-3. Interessantes Konzept. Jede der 14 Kurzgeschichten stellt eine Mietpartei des mehrstöckigen Hauses am Zeilenweise-Platz in der Stadt Buchstedt vor. Dabei ist von Mystery Thrillern („Die Protagonsieten“ von Heike Hultsch) über humorvolle Urban Fantasy („Große Liebe“ von Germaine Paulus) bis hin zu Horror („Guten Tag, ich bin das Grauen“ von Isa Theobald) alles dabei. Besonders bewegt haben mich „Gestohlenes Glück“ und „Infarkt“ von Anett Steiner, „Tage des Glücks“ von Michael Romahn, „Ein Sonntag im Mai“ von Heidi Gotti, „Der Tanz ohne Tänzer“ von Wolfgang Brunner und eben Isa Theobalds Kurzgeschichte, die mir in leicht abgewandelter Form bereits aus ihrer Anthologie „19“ bekannt war. „Die Besseren sterben jung“ von Markus Walther wartet mit einer gelungenen Pointe auf. Verbunden sind die Geschichten durch insgesamt 15 Kurzgeschichten „Aus Vodnjanis Kiosk„, erzählt vom Herausgeber Hartmut W. H. Köhler. In diesem Kiosk im Erdgeschoss des Hauses am Zeilenweile-Platz läuft alles zusammen. Die chronologische Reihenfolge spielt dabei keine Rolle. Einziges Manko: Es gibt kein Inhaltsverzeichnis. Der Erlös der Anthologie geht als Spende an das Haus der Barmherzigkeit in Kroatien, ein Heim für Kinder, die schweren sexuellen Missbrauch erlebt haben. Weite Teile der Anthologie haben mich auf der Fahrt zum CSD nach Köln am Morgen des 08. Juli 2018 begleitet.

Alex Jahnke (Hrsg.), Reiten wir! Phantastikautoren für Karl May (Edition Roter Drache 2017) 437 Seiten. ISBN 978-3-946425-32-8. Diese Anthologie entstand aus der Frage heraus, wie es mit den Nebenfiguren von Karl Mays Westerngeschichten – Tante Droll alias Sebastian Melchior Pampel, Hobble-Frank alias Heliogabalus Morpheus Edeward Franke und Ellen Winter – weiterging. Zu meinen Favoriten zählt unter anderem die aufs Vergnüglichste die Vorzüge von Wortgewandtheit und Ideenreichtum preisende Erzählung über „Das Gold des Samuel Sonntag“ von Christian von Aster. Ein regelrechter Film – und zwar ein äußerst unterhaltsamer – lief während der Lektüre von „Miss Morrison´s Retirement Home for the Elderly“ von Alex Jahnke vor meinen Augen ab, ich tauchte ein in „Silber und Blei“ von Matthias Kremer, verfolgte fasziniert den ungewöhnlichen Pfad, den „Am Horizont“ von Alexa Waschkau ging. Und war zutiefst bewegt von den Emotionen, von denen „Der Erzfreund“ von Lena Falkenhagen ergriffen war. Die von der schreibenden Zunft spenden ihre Tantieme an das Karl-May-Museum in Radebeul.

Peter Stamm, Seerücken (Fischer 2012) 190 Seiten. ISBN 978-3-596-18995-3. Zehn Erzählungen, durch ihren Gleichmut, ihre Lösungslosigkeit, ihr Fließen geeint – und doch unterschiedlich wie Tag und Nacht. Getrieben scheinen Stamms Figuren alle, ziel- und orientierungslos, wie Holz im Meer. See und Meer, die in acht der zehn Geschichten gleichsam zu Nebenfiguren werden, bieten Anhaltspunkt, Heimat und Farblosigkeit gleichermaßen.

Basement Tales. Vol. 1 – Bodensatz (The Dandy Is Dead 2018) 48 Seiten. ISBN 978-3-9476-5201-3. Christian von Aster, Alex Jahnke, Heike Schrapper und Germaine Paulus haben unter den untersten Schichten des Drecks gekratzt und doch tatsächlich ein paar davon überdeckte Geschichten freigelegt. Bis nach dem Abspann bleiben, bitte.

Basement Tales. Vol. 2 – Sperrgebiet (The Dandy Is Dead 2018) 48 Seiten. ISBN 978-3-947652-04-4. Dieses Mal haben Christoph Marzi, Isa Theobald, Diana Kinne, Christian Endres und Norman Liebold Geschichten aus dem Sperrgebiet geschmuggelt und sich in persönliche Sperrgebiete vorgewagt (Hut ab, Frau Theobald!), die bei der von der Band „Mellow“ musikalisch eingeleiteten Lesung angeteasert wurden. Kann eins sich für eine solche Veranstaltung eine passendere Umgebung vorstellen als diese verrauchte Kneipe inmitten von Saarbrücken, deren Wände vermutlich nur noch von Schichten aufgeklebter Film- und Veranstaltungsplakate zusammengehalten werden?

 

Historisches:

Charlotte Lyne, Die zwölfte Nacht (blanvalet 2008) 650 Seiten. ISBN 978-3-442-36717-7. 1556. Soeben wurde die siebenjährige Margery Zeugin der Hinrichtung Thomas Cranmers, als ihre Erzieherin, Catherine Willoughby, auf ihr Drängen hin einwilligt, ihr in den zwölf Nächten vor Weihnachten die Geschichte ihrer Eltern zu erzählen, dem wegen Hochverrats hingerichteten Thomas Seymour und der bei ihrer Geburt verstorbenen Catherine Parr, Witwe Henry des Achten und frühere Königin von England. Es gibt keine Belege dafür, dass Mary Seymour, die im Roman den Namen Margery trägt, das Ende des zweiten Lebensjahres erreicht hat, doch das tut dieser epischen Geschichte keinen Abbruch. Es handelt sich vordergründig um eine tragische Liebesgeschichte von zweien, die ein ganzes Leben aufeinander verzichten mussten, um am Ende ein kurzes Glück genießen zu können. Aber, und deswegen überzeugte es mich, es ist ebenso eine Geschichte über starke Überzeugungen und den Willen durchzuhalten, wenn die Lage aussichtslos scheint. Sie zeigt die Stärke, die in Hoffnung und Geduld ruht. Fun fact: Der stets wiederkehrende, als Familienmotto der Seymours ausgegebene Spruch „Unser Tag wird kommen“ wurde im 20. Jahrhundert als „tiocfaidh ár lá“ zum Kampfslogan unter anderem der IRA.

 

Zeitgenössisches:

David Safier, Mieses Karma (Rowohlt 2009) 283 Seiten. ISBN 978-3-499-24455-1. Köstlich. Herrlicher Humor. Ich mag die Protagonistin nicht, aber das ist in diesem Fall gewollt so.

Jean-Paul Sartre, Das Spiel ist aus (Rowohlt 2012) 139 Seiten. ISBN 978-3-499-10059-8. Schnelle Szenenwechsel gleich zu Beginn rissen mich mit und sorgten für einen unmittelbaren Einstieg in die so simple wie vorhersehbare Geschichte, die dennoch auf sehr amüsante und tiefgründige Weise erzählt ist. Gegen Ende verdichtet sich alles zu einem spannenden Showdown, um mit einem gewissen Bedauern seicht auszulaufen. Liebe bleibt eine Hoffnung, ein flüchtiges Glück, und kann im Kampf gegen die selbst auferlegten Beschränkungen, Ziele und Verantwortungen nur verlieren.

Christa Wolf, August (Suhrkamp 2012) 39 Seiten. ISBN 978-3-518-42328-8. Erinnerungen eines Überlebenden der Flüchtlingswelle aus dem kriegsversehrten Ostpreußen, der selbigen nachhängt, während er mit seinem Reisebus eine Städtetour nach Dresden unternimmt. Eine Erzählung voller Wehmut.

Germaine Paulus, Pfuhl (The Dandy Is Dead 2018) 323 Seiten. ISBN 978-3-947652-00-6. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen Pulp Noir-Krimi kaufen würde. Noch dazu – auch wenn ich ihren vor Sarkasmus triefenden Erzählstil bewundere – von einer, die „Sick Shit Babe“ genannt wird. Ausgerechnet ich Mimose. Aber was soll ich sagen: Die Lesung überzeugte. Die Lektüre noch mehr. Die häufigen Perspektivwechsel innerhalb eines Kapitels wären anzukreiden, fügten sie sich nicht so stimmig ins stilistische Gesamtbild der drei aufeinander aufbauenden Kurzromane „Pfuhl“, „Schlick“ und „Loch“. Zunächst fühlte ich mich ein wenig auf den Arm genommen, als mir die Autorin per Signatur eine „schöne, romantische Zeit beim Lesen“ wünschte, aber sie hat nicht gelogen, denn mit dem Fortschreiten der Geschichte vertiefen sich die zwischenmenschlichen Beziehungen der Figuren und es wird sogar wirklich rührselig. Amüsant die Anekdote, „Pfuhl“ sei von verschiedenen Verlagen unter anderem aufgrund der reißerischen und nur dem Selbstzweck dienenden Gewaltdarstellungen abgelehnt worden. Die hielten ein Werk aus der Feder von Frau Paulus in den Händen. Was haben die denn erwartet???

Christian von Aster/Carsten Steenbergen, Die Wutbriefe (The Dandy Is Dead 2018) 52 Seiten und 71 minütiges Hörbuch. ISBN 978-3-947652-03-7. Die Uraufführung des damals noch nicht publizierten Briefwechsels zwischen den in Vergessenheit geratenen Autoren Bernt Klötzke und Timo „von“ Spitz durften der Waschbär und ich am 12. 05. 2018 im Dieffler „Drachenwinkel“ miterleben. Anlässlich der Präsentation „Basement Tales Vol. 2 – Sperrgebiet“ (s. o.) am 29. 11. 2018 im Saarbrücker „Horst“ wurden Klötzke und von Spitz ein zweites Mal auf die Menschheit losgelassen. Ein Fest. Wenn auch mehreren Anwesenden sowie einem Stuhl von aus dem Konzept gebrachten und „Zu Recht!“ in ihrem Genie angezweifelten Autoren Klage angedroht wurde.

Keigo Higashino, Ich habe ihn getötet (Klett-Cotta 2016) 351 Seiten. ISBN 978-3-608-98306-7. Ein Fall für Kommissar Kaga, der einen interessanten Einblick in japanische Gepflogenheiten bietet. Ein spannender Krimi, den mir Carmilla DeWinter anlässlich ihres kurzen Ausfluges ins Saarland zwecks moralischer Unterstützung bei meiner ersten Autorinnenlesung zum Schmökern mitbrachte. Der Roman- und Drehbuchautor Makoto Hodaka stirbt am Tag seiner Hochzeit mit der Lyrikerin Miwako Kanbayashi. Im Verdacht stehen der Bruder der Braut sowie Hodakas Lektorin und sein Manager. Vom Autor geschickt eingefädelt ist der Umstand, dass die Handlung abwechselnd aus den jeweiligen Ich-Perspektiven der drei Tatverdächtigen erzählt wird. Die Rezension folgt.

Christian „Pokerbeats“ Huber, Fruchtfliegendompteur (Piper 2015) 280 Seiten. ISBN 978-3-492-30791-8. Wer hat behauptet, Dauerprokrastination und Selbstbetrug hätten keinen Unterhaltungswert? Das Sichtbarkeitsmonster wurde aufmerksam, als Christian auf S. 37 über die sexuelle Orientierung einer Person spekuliert und zu dem Schluss kommt, derjenige sei möglicherweise asexuell – schließlich seien ihm offenbar sowohl Frauen als auch Männer „völlig egal“. Mein persönlicher Lieblingsspruch (T-Shirt- und Kühlschrankmagnet-reif!): „Alles, was ich über Hochzeiten weiß, habe ich bei Game of Thrones gelernt.“

Rita Falk, Winterkartoffelknödel (dtv 2010) 230 Seiten. ISBN 978-3-423-21330-1. Beenden wir das Jahr mit Franz Eberhofers erstem Fall. Nach seiner, zugegeben nicht ganz unberechtigten, Strafversetzung aus München in seinen niederbayerischen Heimatort Niederkaltenkirchen wird Polizist Eberhofers eigentlich eher langweiliger Dienstalltag doch tatsächlich ein wenig aufregend, denn binnen kürzester Zeit versterben sämtliche Mitglieder einer Familie auf ungewöhnliche Weise. Der Franz wittert was, und das sind ausnahmsweise nicht die leckeren Leberkässemmeln vom Simmerl. Der umgangssprachliche Erzählstil macht nicht nur Spaß, sondern weckt auch jede Menge Sympathie für den nur minimal durchgeknallten Eberhofer Franz, der schon so die eine oder andere Tomate auf den Augen hat.

Nachdem die Lektüre von Peter V. Bretts zweitem Band des Dämonenzyklus beendet war, beschloss ich, mich nach längerer Pause wieder der in meiner ersten Literarischen Rückschau erwähnten Anthologie Königin im Exil“ (herausgegeben von George R. R. Martin und Gardner DoZois zu widmen. So manche darin enthaltene Geschichte geht an die Substanz, beispielsweise „Ich weiß, wie man sie rauspickt“ von Lawrence Block oder „Nachbarn“ von Megan Lindholm. Obwohl „Bombige Muscheln“ von Jim Butcher an Band 13 seiner Dresden Files-Reihe anschließt, kann die Geschichte vollkommen für sich stehen – ein gelungenes Beispiel für eine Auskoppelung aus einer vorhandenen Romanwelt. Bei „Verkünder der Strafe“ von S. M. Stirling fiel es schon schwerer, die Geschichte als eigenständig zu betrachten. Sie wirkte mehr wie ein Auszug aus der dazugehörigen Change-Reihe des Autors. Einer meiner Favoriten ist „Raisa Stepanowa“ von Carrie Vaughn. Und wenn mich nicht alles täuscht, sind in Nancy Kress´ „Zweite Arabesque, sehr langsam“ sogar mehrere Asse versteckt. So oder so schürt diese Geschichte das Feuer der Hoffnung in einer erkalteten, dystopischen Welt.

Meine Lektüre fürs kommende Jahr ist bereits gesichert – als würden meine Regale nicht ohnehin schon überquellen und ich meine Bücher noch nicht in zweiter Reihe parken -, denn neben den ersten drei von sechs Bänden (Band 4-6 sind noch nicht auf Deutsch erschienen) von Royce Buckinghams Mapper-Reihe stehen Band 3-6 von Peter V. Bretts Dämonenzyklus auf meinem Programm.

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Einsteigen werde ich allerdings mit „Eberhofer, Zefix!„, einer Kurzgeschichtensammlung von Rita Falk. Um das neue Jahr ebenso schmunzelnd zu begrüßen, wie ich das alte verabschiedet habe.

Mit meinem lieben Waldseebären lausche ich noch ein wenig dem Hörbuch zu Hendrik Groens „Eierlikörtage“ (ein nur vordergründig humorvoller Rundumschlag).

Neben der geplanten Rezension von „Ich habe ihn getötet“ werden 2019 dann auch endlich die Rezensionen folgen, die ich schon in der letzten Literarischen Halbjahresrückschau angekündigt hatte:

Carmilla DeWinter, Jinntöchter. K_ein orientalisches Märchen.

Christine Féret-Fleury, Das Mädchen, das in der Metro las.

Eugen Ruge, In Zeiten des abnehmenden Lichts.

Mary Westmacott, Verdrängter Verdacht.

♠♠♠♠

Und was hat euch 2018 begeistert? Was hat euch nicht so sehr vom Hocker gerissen?

 

Ein ereignisreiches und gutes Jahr 2019 und bis zum nächsten Mal,

Euer Nixblix.

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4 Gedanken zu „Literarische Halbjahresrückschau, die Zweite“

  1. Völlig hingerissen hat mich ein Text, der in meiner eigenen Rückschau nicht aufaucht, weil es ein Sachtext ist: „Gewalt und Mitgefühl“, Robert Sapolsky. Eine sehr ausführliche Übersicht über die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die das menschliche Verhalten betreffen. Das Buch hat ungefähr 900 Seiten und damit einen Großteil meiner Lesezeit im Juni und Juli gefressen.

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    1. Danke für den Tipp.
      Für mich war diesbezüglich Michael Schmidt-Salomons „Die Grenzen der Toleranz“ sehr aufschlussreich, wie eins in einem meiner kommenden Beiträge noch sehen wird.

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