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Vorsätzliches

Neulich wurde ich auf der Straße gefragt, was ich mir für 2019 vorgenommen hätte. Nun, was soll ich sagen: Ich war im ersten Moment sprachlos.

Es braucht schließlich seine Zeit, sich von dem Beinahe-Herzkasper zu erholen, den es verursacht, wenn da einer ungebremst mit dem Radl auf eins zuhält, das Mikrofon ausgestreckt wie eine Lanze, dass Maximilian I. eine wahre Freude daran gehabt hätte, und einem selbiges Mikrofon mit SR 1-Logo drauf schon fast ins Gesicht presst. Da stand ich nun, frisch ausgerüstet mit spruchbeladenen Kühlschrankmagneten, zwischen Mikro und Hauswand eingekeilt. Der Fluchtweg nach vorne durchs Radl versperrt. Und weil ich hinten keine Augen hab und durch das Mikro im Gesicht in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt war, saß ich in der Falle.

Da soll eins mal schlagfertig sein.

Ich übertreibe nur ein bisschen. Es ist nun mal so, dass sofort mein Fluchtinstinkt einsetzt, wenn sich meinem Gesicht etwas schneller nähert, als meine Augen es fokussieren können. Da muss erst mal gescheit justiert werden. Sozusagen. Und Tatsache ist, dass mein Wohlfühlabstand zu Lebewesen und Gegenständen mindestens eine Armlänge beträgt. Ausnahmen bestätigen die Regel. Konnte der Radioradler natürlich nicht wissen, dennoch habe ich ihn irgendwann gebeten, das Mikro etwas weiter von meinem Gesicht wegzuhalten. Ich konnte ja schließlich nicht weiter zurück, sonst hätte ich schon mit der Hauswand verschmelzen können müssen.

Der Radler gab sich mit meinem anfänglichen „Nichts.“ nicht zufrieden, auch nicht, als ich im Sinne John Lennons antwortete, ich plane nicht, weil das Leben sowieso alle Pläne zunichte mache und mich stets aufs Neue überrasche.

Life is what happens (to you) while you are busy making (other) plans.

Ich erzählte ihm dann was von Geburtstagen, auf die ich mich freuen würde, und von einem besonderen Geburtstagsgeschenk für einen besonderen Freund, der zu den besten zählt, die ein kleines Nixblix sich vorstellen kann.

Jetzt sitze ich hier am Schreibtisch, mein Bücherstapel hat sich gelichtet, mein lieber Waldseebär hält ein Mittagsschläfchen.

Ich schreibe diese Zeilen Silvester 2018, um die Mittagszeit – und denke über Vorsätze nach.

Über Pläne.

Da wären natürlich berufliche Pläne. Zeichenaufträge, die ich fürs Denkmalamt und andere zu erledigen haben werde. Hinzu kommt noch der Aufsatz, den ich in den ersten Januarwochen fertigstellen werde, um ihn für den Tagungsband der EAO einreichen zu können. Langjährige Überlegungen wegen einer beruflichen Neuorientierung nehmen konkrete Formen an. Anfang der 2020er werde ich vermutlich ganz neu aufgestellt sein.

Für den Blog sind Rezensionen geplant, wie in den vergangenen beiden Literarischen Halbjahresrückschauen und im Bücherstapel bereits angekündigt. Selbstverständlich habe ich mir auch die eine oder andere Lektüre vorgenommen.

In den vergangenen Monaten habe ich ein zwölfseitiges Kinderbuch mit dem Titel Eine Geschichte vom kleinen Waldseebär geschrieben, das ich fortzusetzen gedenke. Die zweite Geschichte steht bereits in den Startlöchern und zwei äußerst kreative Menschen haben mir bereits Ideen für zwei weitere Geschichten geliefert. Dafür danke ich euch, lieber Pit Van Calvin II und werte Lili S. McDeath. Sobald ich ausreichend Geschichten für ein ganzes Buch zusammen habe, werde ich sie einem Kinderbuchverlag vorlegen.

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Auf dem Fass im Unterdeck hat es mir so gut gefallen, dass ich da gerne wieder draufklettern würde. Das nehme ich mir allerdings frühestens für 2020 vor, weil ich beim nächsten Mal gerne meinen Roman vorstellen möchte. Die Arbeit daran wird bis Ende 2019 abgeschlossen sein und dann liegt die Verlagssuche vor mir. Bis dahin stehen noch viele Unterdeck-Besuche an. Ganz wichtig wird der 06. 06. 2019 (Save the Date!), denn dann wird uns Carmilla DeWinter Geschichten über Pride und Vorurteile vortragen.

Auch nach meinem Vortrag über Deutungshoheit auf der AktivistA 2018 habe ich Blut geleckt.

Narrative haben Macht.
Erzählen wir sie.

Meiner eigenen Aufforderung folgend arbeite ich nämlich immer wieder an Geschichten mit asexuellen Charakteren. Da sich in Talnia bereits mehrere meiner Figuren mir gegenüber geoutet haben, wurde 2017 der Grundstein für das Projekt mit dem sehr vorläufigen Arbeitstitel „Ace and Proud“ geboren. Es umfasst sechs Kurzgeschichten, die aus der Sicht jeweils einer der hier vorgestellten Figuren Themen behandelt, mit denen sich Personen im asexuellen Spektrum (aber nicht nur diese) häufig konfrontiert sehen. Mein Vorhaben ist es, dieses Projekt bis zur kommenden AktivistA (20.-22. 09. 2019 in Stuttgart) abgeschlossen zu haben und im Rahmen eines Vortrages vorzustellen. Die erste ist bereits länger abgeschlossen, drei sind in ihren Grundzügen ausgearbeitet und müssen nur noch geschrieben werden, bei den übrigen zwei Geschichten steht der Plot noch nicht fest. Nichts, was nicht zu schaffen wäre. Packen wir es an!

Und zu guter Letzt mache ich mir immer wieder Notizen zu einem Kurzroman mit dem Arbeitstitel „Das große Schweigen„, die ein eigens dafür reserviertes Heft notiert werden, dessen Umschlag jede Menge Fenster, aber keine Türen zeigt. 

2019 wird ein gutes Jahr, so meine Hoffnung.

2018 war es im Großen und Ganzen, wenn gegen Ende auch dunkle Wolken die Sonne zu verdunkeln suchten. Doch Wolken ziehen irgendwann weiter. Sie können die wärmenden und nährenden Strahlen nicht ewig verdecken.

Türen haben sich geöffnet und einige nicht ganz unterwartet geschlossen. Wenn Wege enden, sind wir gezwungen, neue Wege einzuschlagen. Altes hinter uns zu lassen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen. Nach vorne zu schauen, ohne das zu vergessen, was bereits hinter uns liegt.

 

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2 Gedanken zu „Vorsätzliches“

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