Asexualität

Warum Fantasy? – Talnias Facetten und Möglichkeiten

„Sechs Farben Ass – Über Coming Outs, Bullshit Bingos und andere Interaktionen“
-Teil 2-

Mir ist zu Ohren gekommen, dass sich im Anschluss an meinen Vortrag mindestens eine Person gefragt haben soll, warum die Anthologie in einer Fantasy-Welt angesiedelt ist.

Warum weiche ich auf eine Fantasy-Welt wie Talnia aus, um asexuelle Narrative zu erzählen? Unsere Welt würde doch immerhin den Begriff bieten, was in Talnia so nicht der Fall ist.

Warum also Fantasy?

Weil, so bitter es auch sein mag, die Möglichkeiten in unserer irdischen Dimension beschränkt sind, wenn es darum geht, alternative Gesellschaftsformen oder Lebenswirklichkeiten durchzuspielen. Oft krankt es bereits an den fehlenden Begriffen oder an festgefahrenen Vorstellungen dessen, was angeblich gegeben sei. Im Grunde muss dafür so oder so eine alternative Realität erschaffen werden. Stichwort: Steampunk.

Warum also nicht gleich eine gänzlich andere Welt? Eine Welt, die nach eigenen Regeln funktioniert, nicht nach den irdischen, die so viele unveränderlich glauben. Eine Welt, in der ich Themen wie Diskriminierung, Folter, soziale Ungerechtigkeit, Pressefreiheit, Faschismus oder rechtliche Eingriffe in die persönliche Lebensplanung ohne Bezug zu konkreten irdischen Gruppierungen, Institutionen oder Personen einbringen kann. Ohne diesen irdischen Bezug ist es einfacher möglich, Dinge wie die vermeintlich naturgegebene Selbstverständlichkeit von Geschlechterrollen oder die Pathologisierung asexueller Personen kritisch zu hinterfragen.

In einer anderen Welt, in der Asexualität sichtbar ist, in der Asexuelle nicht erst erklären müssen, was es bedeutet, asexuell zu sein, in der sie sich nicht rechtfertigen müssen, weil bekannt ist, dass Asexualität keine Ursache hat, sondern wie jede andere Orientierung Teil der natürlichen Veranlagung, in einer solchen Welt kann eine asexuelle Perspektive viel unmittelbarer und damit natürlicher vermittelt werden. Womit wiederum hoffentlich das Verstehen auf unserer Seite des Dimensionsportals gefördert wird.

Darum Fantasy.

Damit unsere Welt irgendwann eine offenere, eine bessere wird. Nicht nur für Asexuelle.

Northern_hemisphere

Talnia ist folglich ein großer Experimentierkasten, in dem bestimmte gemachte Strukturen, die in unserer Dimension so manche Entwicklung und Veränderung mit dem Verweis auf „Unabänderlichkeit“ und „Alternativlosigkeit“ hemmen, von Beginn an außer Kraft gesetzt sind. So hat es in Talnia nie eine andere als rein biologische Unterscheidung verschiedener Geschlechter gegeben. Eine Zuschreibung von Eigenschaften aufgrund des Geschlechts oder gar eine Behauptung reiner Zweigeschlechtlichkeit fand nie statt – allein die Vorstellung hätte die ungeschlechtlichen Faen, Devai und Hikari aller Wahrscheinlichkeit nach köstlich amüsiert.

Auch sind Begriffe wie „Familie“ und „Ehe“ in Talnia recht weit gefasste Begriffe. Unter „Familie“ wird beispielsweise nicht zwangsläufig die Gruppe derjenigen Personen gemeint, die untereinander blutsverwandt ist. Kann. Muss nicht. „Familie“ kann aus allen Personen bestehen, die zum Haushalt gehören oder die einer Person emotional nahestehen. Auch ist Adoption in Talnia gar nicht so unüblich.

Bei einer „Ehe“ handelt es sich um nichts weiter als eine vertraglich festgehaltene Versorgungs- und Absicherungsgemeinschaft zwischen mindestens (!) zwei Personen, die nicht zwangsläufig verpartnert sein müssen. Es gibt keine Einschränkung bezüglich Anzahl oder Geschlecht der Eheschließenden. Einzig das Mindestalter der Eheschließenden ist (je nach Region) mit 18-21 Jahren festgelegt. Wer bereits in einer Partnerschaft lebt, mag es für sinnvoll erachten, einen Ehevertrag zu schließen, jedoch ist dieser Schritt nicht zwingend gesellschaftlich vorgesehen. Kinder, die von Personen ohne bestehenden Ehevertrag großgezogen werden – was Alleinerziehende miteinschließt –, haben dieselben Rechte und dasselbe gesellschaftliche Ansehen wie Kinder, die von Personen mit Ehevertrag großgezogen werden. Eine talnianische Ehe dient nämlich nicht dem Zweck staatlich sanktionierter Fortpflanzung, sondern eben der gegenseitigen Absicherung. Will beispielsweise eine Person sicherstellen, dass ihr Erbe an ganz bestimmte Personen fällt, kann sie mit diesen einen Ehevertrag schließen und damit sämtliche verwandtschaftlichen Vorrechte auf das Erbe negieren. Dass Asexualität, wie alle anderen Orientierungen, von Beginn der Rechtsprechung an mitgedacht wurde, ist unter anderem an dem Umstand zu erkennen, dass Geschlechtsverkehr nicht zu den vorgesehenen oder gar einforderbaren ehelichen Pflichten zählt. Damit wäre die Schließung eines Ehevertrages prinzipiell auch unter Verwandten möglich.

Aber ich schweife ab.

Denn ich habe Talnias Gesicht noch immer nicht beschrieben.

Die Verwüstungen des Großen Krieges (849-889 K.U.) haben die Welt kleiner gemacht. Von ehemals fünf Kontinenten blieben lediglich zwei intakt und weitgehend von Zerstörungen verschont, wenn eins einmal von Kriegsverheerungen durch Truppen absieht. Die südlichen Kontinente, einstige Herkunftsgebiete von Drachen, Miko und Deimo, gibt es nicht mehr; von ihrer Existenz zeugt lediglich noch eine Ansammlung kleinerer, karger Inseln.

Die beiden nördlichen Kontinente (Midori und Tyra) erfuhren nach einer längeren Zeit des Wiederaufbaus eine erneute Blüte.

Tyra_GrenzenTyra

Der westliche Kontinent stellt das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Alten Völker der Xiamin, Dwargin und Faen dar. Den Namen erhielt das Land jedoch von den Deimo, die vor ungezählten Jahrtausenden aus dem Süden einwanderten. Ursprünglich trug das Land mit den vielen Gesichtern bei ihnen den Namen „Styr-Eret“, was soviel bedeutet wie „widersprüchliches Land“. Im 8. Jahrhundert v. K.U. machte es diesem Namen alle Ehre, als im Westen Tyras durch das Aufeinanderprallen der Zauber zweier mächtiger Devai die Eis- und die Sandwüsten entstanden, die späteren Zweikronlande.

Reiche dieses Kontinents sind, von Westen nach Osten und von Norden nach Süden:

Die Zweikronlande mit den Hauptstädten Erisia und Elusia. Aufgrund der Ressourcenknappheit lange das einzige Reich, in dem gleichgeschlechtliche Partnerschaften bevorzugt wurden und die Ein-Kind-Politik eingeführt wurde.

Deimoth, das Reich der Deimo im Samyakazan, gilt als schwer passierbar, trostlos und karg, hat aber eine facettenreiche und dem Fremden recht offene Kultur zu bieten. Deimoth wird nach außen von der D. A. M. A. beschützt, einer Spezialeinheit, der zahlreiche Hexereibegabte angehören.

Das Inselcoronat Ferione und spätere Lupion-Republik Alcateia mit dem Hauptort Terzuli. Einst beständigen Überfällen mit dem Zweck der Sklavenbeschaffung unter den dort lebenden Lupion ausgesetzt, sind die Machtverhältnisse seit Ende des Großen Krieges ins Gegenteil verkehrt.

Das grüne und fruchtbare Banat Livuth, aus dem später das Duchat Predall sowie das Duchat Althena hervorgingen. Die gleichnamigen Hauptstädte beider Reiche sind Standorte von zwei der drei großen Akademien Talnias.

Die Halbinselprovinz Portia mit der gleichnamigen Hauptstadt. Einst Reich der Xiamin, das vom Banat Livuth erobert wurde. Im Zuge dieser Eroberung erfolgte u. a. die Umbenennung der Hauptstadt. Ein Grund, warum die indigenen Provinzbewohnenden ein gewaltiges Problem mit Neuerungen haben, erst recht, wenn sie von außen kommen.

Die Republik Siebeninseln mit der Hauptinsel Gim. Keine der sieben Inseln gleicht der anderen.

Hira

Hira

Das letzte Reich der Hikari fand sein Ende im Großen Krieg. Die zuvor von den Hikari aufgenommenen Lizaro richteten dort den Sitz ihres Hohen Rates ein und bevölkern seither die an Sümpfen reiche Region.

Midere_Grenzen

Midori

Im Westen auch Midere genannt, wurde der östliche Kontinent lange Jahrtausende von den Hikari dominiert. Midoris Wälder, die dem Land den Namen gaben, und seine Sümpfe sind Heimat der Lizaro gewesen, ehe diese vor dem Ausbruch des Großen Krieges auf Hira, dem letzten Reich der Hikari, Zuflucht suchten.

Reiche dieses Kontinents sind, von Norden nach Süden:

Das Teikoku Lamu (im Westen Banat Lam) mit der Hauptstadt Nishikaze (im Westen Windia). Handel ist die Lebensader des traditionsbewussten und gleichsam von Vielfalt erfüllten Landes. Was den Handel und den Austausch vorantreibt, wird offen begrüßt.

Das Albaen-Banat Hieaman mit der Hauptstadt Hiemandall. In der dritten der drei großen Akademien, gleichsam der ältesten, spiegelt sich die gesellschaftliche Ungleichstellung zwischen Albae und Net-Albae wider. Freundschaftliche oder partnerschaftliche Beziehungen zwischen Albae und Angehörigen anderer Spezies werden nicht besonders geschätzt, aber nicht strafrechtlich verfolgt.

Ganz anders sieht dies im Djunrio Thoian mit der Hauptstadt Quenia aus. Die strenge Reinheitsspolitik verbietet jegliche Art der Bindung zwischen den einzelnen Spezies. Salai (Mischlinge) haben im Djunrio keinerlei Existenzberechtigung.

Ihr seht, Talnia bietet reichhaltige Möglichkeiten. Wer mehr über den Gesellschafts- und Kultur-Experimentierkasten erfahren möchte, sei vertrauensvoll an Gheida Rultan er Rath verwiesen.

In Teil 3 werde ich verraten, wie Patreon bei all dem ins Spiel kommt.

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