Allgemein

Achte auf Manipulation. Warum wir darüber reden müssen. Dringend.

„Achte auf die Versuche der Manipulation und du kannst erkennen!“
Guter Rat. Fangen wir mal mit diesem Text an, den eine Bekannte auf Facebook geteilt hat:


Wir erleben aktuell das größte Verbrechen an der Menschheit, das durch Eigenverantwortung beendet werden kann.
Steht zu euren Kindern!
Lasst sie nicht missbrauchen von einer ReGIERung, die Tests anordnet, die nicht zum Wohl der Kinder dienen, sondern ganz offensichtlich dazu, damit die Kinder die Zahlen „liefern“ wieder den nächsten Lockdown „zu verschulden“, der sowieso geplant ist.
Schaut hin! Schaut gut hin!
Rechnet!, denn das können die „Experten“ wohl nicht!
Die Kinder brauchen eine Zukunft und wir Erwachsenen tragen dafür die Verantwortung ❤️
Es braucht keine Angst!
Es braucht nur deine Liebe!
Es braucht deine Verantwortung!
Es braucht deine Entscheidung!
Und
Du bist nicht alleine!
Wir stärken uns gemeinsam und gegenseitig!
Achte auf die Versuche der Manipulation und du kannst erkennen!
Achte auf deine Intuition und du weißt, was du tun musst / kannst!
Wenn du Unterstützung brauchst – wir sind da für dich – melde dich 🙏 der nächste Zoom ist wieder geplant – zur Stärkung für dich und deiner Verantwortung in Selbstermächtigung für Frieden, Freiheit und Hoffnung


Manipulation findet häufig über Emotionen statt, weil Emotionen leicht zugänglich sind und die Manipulation schnell gelingt. Außerdem sind wir in Momenten, in denen wir stark emotional reagieren, für rationales Denken und Fakten weniger zugänglich. Manipulative Texte versuchen daher meist schon in den ersten ein, zwei Sätzen, unsere emotionale Seite anzusprechen.
Das passiert hier beispielsweise durch die Verwendung der Schlagworte „Kinder“, „missbraucht“ und „Schaut hin! Schaut gut hin!“ in dichter Folge. Diese Schlagwortfolge spricht das Verantwortungsgefühl der Eltern und deren Sorge um das Wohlergehen ihrer Kinder an. Sie löst Angst aus und das soll sie auch. Denn ist nicht durch zahlreiche Medienberichte bekannt, dass viele schreckliche Fälle von Kindesmissbrauch nur deshalb passieren konnten, weil eben nicht hingeschaut wurde? Das will man ja nicht. Es wird also suggeriert, dass den eigenen Kindern etwas Schlimmes passiere, wenn man nicht hinschaue. Das nennt sich übrigens emotionaler Missbrauch nach dem Muster „Du bist schuld, dass ich traurig bin.“ und „Deinetwegen haben sich deine Eltern getrennt.“.
Die viermalige Verwendung des Satzanfangs „Es braucht …“ vermittelt eine gewisse Dringlichkeit, was Aufregung, vielleicht auch Angst auslösen kann – und das Bedürfnis, sofort zu reagieren.
Wovor sollen aber die Eltern Angst haben und was sollen sie verhindern? Dazu liefert der Text einen Hinweis. Jedenfalls tut er so.
Es werden Behauptungen aufgestellt, zu denen jedoch kein Beweis geliefert wird. Man kann also nicht ohne Weiteres überprüfen, ob das wirklich stimmt, was da behauptet wird. Ob es sich also wirklich um Informationen (Fakten) oder um Bullshit handelt. Insgesamt bleibt es also bei der Andeutung einer Verschwörung, die Kinder für ihre Zwecke missbrauche.
Kleiner Tipp: Wer wirklich informieren und auf ein Problem aufmerksam machen will, kann und wird Quellen liefern, die beweisen, dass das Problem existiert und dass es sich um echte Informationen handelt. Wer keine Quellen liefert, enthält Informationen vor.

Den Lesenden wird außerdem durch „Es braucht deine Verantwortung! Es braucht deine Entscheidung!“ vermittelt, dass sie durch ihre Entscheidung mitverantwortlich für alles seien, was mit ihren Kindern und den Kindern anderer Leute geschehe. Um das zu verhindern, wird zum Handeln aufgerufen.
Auch hier wird wieder über das schlechte Gewissen gearbeitet. Nach dem Motto „Wenn du nichts tust und deine Kinder zu Schaden kommen, bist du daran schuld.“. Auch hier haben wir es mit einwandfreiem emotionalem Missbrauch zu tun.

Gleichzeitig werden Misstrauen und Zweifel gesät, ebenfalls durch geschicke Schlagwortplatzierung und sogenanntes Framing.
Bereits im allerersten Satz wird vom „größten Verbrechen an der Menschheit“ gesprochen, das angeblich gerade stattfinde. Wer dieses Verbrechen verübt, wird nicht direkt gesagt, aber wenige Sätze später angedeutet.
Indem beispielweise der Wortbestandteil „-gier-“ in „Regierung“ mittels Feststelltaste hervorgehoben wird, wird der Regierung unterstellt, gierig zu sein. Schließlich stecke in „Regierung“ ja die „Gier“ schon drin. Schenkelklopfer. Nicht. Jedenfalls soll damit erreicht werden, dass man der Regierung misstraut. Warum? Ja, das erklären dann die vermeintlichen „Informationen“. Die keine sind. Oder zumindest keine nachprüfbaren. Weil ja keine Quelle angegeben ist, anhand der man das nachprüfen könnte. Braucht man aber ja nicht, man ist eh schon in Sorge um das Wohl der Kinder und irgendwie auch schon fast davon überzeugt, dass da was dran sein muss. Und wer weiß, vielleicht ist die Regierung sogar für besagtes „größtes Verbrechen an der Menschheit“ verantwortlich? Schließlich ist einer Regierung, die die Gier schon im Namen trägt, sowas zuzutrauen. Nicht?
Misstrauen wird auch gegen die Expert:innen gesät, indem der Begriff in Anführungszeichen gesetzt wird. Es wird also suggeriert, dass deren Expertise fraglich sei. Falls dem so sein sollte, wäre denen also auch in dieser ganzen Angelegenheit keine Kompetenz zuzutrauen. Also braucht man auf die auch nicht zu hören. Gell?
Aber auf wen kann man denn dann hören? Auf wen kann man sich denn dann verlassen?
Auch darauf hat dieser Beitrag eine Antwort parat:
„Wir stärken uns gemeinsam und gegenseitig! […] Wenn du Unterstützung brauchst – wir sind da für dich – melde dich […]“

Come to the dark side, we have cookies!

Fassen wir also zusammen:
Dieser Beitrag appelliert an das Verantwortungsgefühl und an die Sorge um das Wohlergehen von Kindern, er weckt Ängste und verstärkt sie, er sät Misstrauen, verunsichert und übt über das schlechte Gewissen Druck aus, damit man so reagiert wie erwünscht.
Und weil die nun verunsicherten Lesenden sich in ihrer Verunsicherung nicht an irgendwen wenden sollen, sondern in eine ganz bestimmte Richtung gelenkt werden sollen, wird mit offenen Armen und süßen Worten gelockt und versprochen, dass man sich um sie kümmert.
Und dann?

Beiträge wie dieser lösen selbstverständlich auch in mir heftige Emotionen aus. Heftige Abwehr und Wut zum Beispiel.
Beiträgen wie diesen misstraue ich instinktiv.
Denn sie klingen, als hätten meine emotional missbräuchliche Großmutter und ihre nicht minder emotional missbräuchliche Tochter sie verfasst.
Also ja: „Achte auf die Versuche der Manipulation und du kannst erkennen!“

Quellen:

Manipulationstechniken – Die 6 häufigsten Techniken

Lass das, ich hasse das – Die 11 häufigsten Manipulationstechniken erkennen

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