Rezension

KRYONIUM – Eine Unendlichkeitsstudie

Vergangenes Jahr, anlässlich der Leipziger Buchmesse, habe ich KRYONIUM schon einmal rezensiert, damals allerdings nur auf Basis von Klappentext und Leseprobe.

Im Herbst kam ich dann endlich dazu, das Debütwerk von Matthias A. K. Zimmermann zu lesen, und versprach dem Autor eine Rezension. Die jetzt endlich mal kommt, wenn sie auch sehr kurz ausfällt. Aus den Fugen geratener Alltag und zu viele Projekte. Eins kennt das, vor allem derzeit. Denke ich.

In gewisser Hinsicht thematisiert KRYONIUM auch das. Den Alltag, genauer genommen die Flucht aus selbigem, die nötig scheint, weil die Art, wie die Dinge laufen, sich nicht richtig anfühlt.

„Jeder Tag scheint sich zu wiederholen. Es kommt mir vor, als sei ich in einer Zeitschleife gefangen. Meinem Tagesablauf noch irgendeinen Sinn abzugewinnen, scheint mir unmöglich geworden zu sein. Und wenn ich mein Befinden als Sinnbild formulieren darf, wie Sie es das letzte Mal mit der Schneekugel taten, dann wird der Takt meines Lebens von einer eisernen Uhrwerksmechanik bestimmt, die in einem vakuumabgedichteten Gehäuse isoliert ist und eine Zeit misst, die vom Klebstoff der Monotonie zusammengehalten wird; und je weiter die Zeit fortschreitet, desto mehr erstickt jede Hoffnung im Keim.“ KRYONIUM, S. 140.

Ich gebe zu, KRYONIUM hat mich überrascht. Aufgrund des Einstiegs habe ich ein Fantasy-Setting erwartet. Welches Setting wirklich dahinter steckt, entfaltet sich ebenso wie die Identität der Hauptfigur im Laufe der Geschichte, denn wie in einem Spiel erarbeitet sich die Hauptfigur Stück für Stück, Gegenstand für Gegenstand, einen Weg aus der Welt heraus, in der sie gefangen scheint. Auf der Suche nach ihren Erinnerungen findet die Hauptfigur einen Schlüssel, der ihr Zugang zu einer Schneekugel verschafft, in der sich ein weiterer Schlüssel versteckt. So reist sie nach und nach durch die Schneekugeln, bei denen es sich gewissermaßen um winzige Welten innerhalb einer Welt handelt, die gleichermaßen real und unwirklich erscheint.

Wie das Mechanische Flächenland, das Matthias A. K. Zimmermann in seinen Bildern vor uns ausbreitet.

Keine Beschreibung verfügbar.
Matthias A. K. Zimmermann, Mechanisches Flächenland 5, 2015 Diasec, 100 × 280 cm [mit freundlicher Genehmigung des Künstlers].

Viel mehr möchte ich eigentlich nicht verraten, denn KRYONIUM ist ein Rätsel, das ergründet werden will.

Matthias A. K. Zimmermann, KRYONIUM. Die Experimente der Erinnerung (Kulturverlag Kadmos 2019) 314 Seiten. ISBN 978-3-86599-444-8.

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