Allgemein

Jetzt. Erst. Recht.

Wisst ihr, es gibt Leute, die finden es lächerlich, dass man in einem „toleranten“ Land wie Deutschland weiter Aufklärungsarbeit betreiben muss.

Schließlich stehe es in anderen Ländern ja viel, viel schlimmer um die Rechte von queeren Menschen und erst, wenn man dort Aufklärungsarbeit betreibe, werde man ernstgenommen.

Dass das längst getan wird und zwar unter anderem von Organisationen wie Amnesty International, wird dann geflissentlich ignoriert.

Dann wird weiter gewettert, es sei doch allmählich mal genug mit dem „Schuldkult“ und dem Vorwurf der Homophobie, die schließlich erst mit der Erfindung des Fluid Gender und damit durch queere Menschen selbst überhaupt erst aufgekommen sei. Ohne die politische Arbeit queerer Menschen gäbe es nach dieser verdrehten Scheinlogik überhaupt keine Intoleranz gegenüber queeren Menschen. Schließlich sei „unsere Generation“ eh schon immer „tolerant“ gewesen, „ohne es zu wissen“, und diese ganze Aufklärungsarbeit deshalb überhaupt nicht notwendig, sondern im Gegenteil sogar ein Zeichen von Intoleranz und einfach nur nervtötend. Weshalb es absolut nachvollziehbar sei, dass Leute dagegen aufbegehren.

Jetzt, wo eine Regenbogenflagge nach der anderen angezündet wird, kann ich genau diese Leute schon hören, wie sie diese Aktionen quittieren mit „Seht ihr, das habt ihr jetzt davon!“ und mit „Würdet ihr uns mal nicht alle so auf die Nerven gehen!“

Ich kann sie schon sehen, wie sie ihre Scheuklappen enger anlegen, die ihnen über Jahrzehnte beim Ausblenden von gesellschaftlichen Problemen so wunderbare Dienste geleistet haben. Die ihnen ermöglichen, sich für ihre vermeintliche „Toleranz“ abfeiern zu lassen, während zu beiden Seiten, von ihnen ausgeblendet, Menschen sich verbiegen und verstecken und Angst davor haben, sich durch ein unbedachtes Wort ins gesellschaftliche Aus zu schießen. Menschen, mit denen sie befreundet sind, die in der Nachbarschaft wohnen, die zur Familie gehören. Menschen, die den Selbsthass lernen, weil diese ach so „tolerante“ Gesellschaft sie nur so lange toleriert, wie sie so tun, als wären nicht sie selbst, sondern anders. „Akzeptabel“ eben. Weil das, was sie sind, nur solange „akzeptabel“ ist, wie es unsichtbar bleibt. Wie es verschwiegen wird.

Das Verbrennen von Regenbogenflaggen soll einschüchtern. Menschen wie mich „auf ihren Platz verweisen“. Man will uns und unsere Symbole nicht sehen, will, dass wir wieder in die Unsichtbarkeit verschwinden. Dass wir schweigen.

Aber wisst ihr was?

Ficken sollen sie sich und ihre Bigotterie.

Ich bin sichtbar. Ich bin laut. Jetzt erst recht.

Für alle, die Mut und Kraft dafür nicht aufbringen.

Damit es ihnen eines Tages möglich ist.

https://www.volksstimme.de/lokal/magdeburg/zerstorte-regenbogenfahne-auf-uni-campus-in-magdeburg-ersetzt-3216861

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.csd-beklagt-hasskriminalitaet-regenbogen-fahne-in-der-stuttgarter-altstadt-verbrannt.01b4f27d-cbac-4528-ab9d-8cb5c46f91a3.html

https://www.bbheute.de/nachrichten/boeblingen-entwendete-regenbogenfahne-ist-ein-feiger-akt-22-3-2021/

https://www.giessener-allgemeine.de/kreis-giessen/lollar-ort848775/regenbogenfahne-an-schule-in-lollar-verbrannt-90864384.html

https://www.nw.de/lokal/kreis_herford/enger/23042635_Wie-die-Schuelervertretung-auf-das-Verbrennen-der-Regenbogenfahne-reagiert.html

https://www.westfalen-blatt.de/owl/regenbogenflagge-angymnasium-abgefackelt-1079022?pid=true

https://www.express.de/koeln/koeln-regenbogenfahnen-an-kirche-abgerissen-und-angezuendet-45315?cb=1628286967902

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